Schädel  018
Arbeitsleben

Vorneweg möchte ich bemerken, dass Mobbing ein Volkssport geworden ist. Vorgesetzte, die ihre Macht demonstrieren wollen und mit sinnlosen Befehlen ihr Personal schikanieren sind leider keine Seltenheit mehr. Ein Pracht-Exemplar dieser Art Vorgesetzten habe ich genossen. Wenn man dann noch das große Glück hat, weder durch den Personalrat noch durch die Verwaltung Rückendeckung zu bekommen, kann man nur noch flüchten. Allerdings sollte man das rechtzeitig machen und nicht, wie ich, warten bis man richtig krank ist.

1979 - 1991

Am 1. April 1979 habe ich in der Staatspension einen Job bekommen. Es war ein angenehmes Arbeiten dort. Zweimal in der Woche kam ein Radiologe, der die Bilder begutachtet hat und ansonsten hatte ich meine Ruhe. Mit den später hinzugekommenen etwas hysterischen Frauen bin ich auch irgendwie klar gekommen. Ich bin gerne arbeiten gegangen und habe mich in der Anstalt wohl gefühlt.

1991 - 1999

Das gute und entspannte Arbeitsklima änderte sich abrupt, als die Röntgenverordnung geändert wurde und die Justiz der Meinung war, dass ein eigener Radiologe eingestellt werden müsse.

Dieser hat gleich am ersten Tag gesagt: Ich habe draußen fähiges Personal, ihr werdet alle gehen.

Dieses Ziel hat er konsequent verfolgt. Da er keine Ahnung hatte von den etwas anderen Verhältnissen in der Anstalt, wurden seine Fehlentscheidungen auf mich abgewälzt. Wenn also ein Gefangener nicht mehr um 14 Uhr vorgeführt werden konnte, dann wurde ich dafür angebrüllt und als unfähig hingestellt. Irgendwie hatte er es nicht begriffen, dass die Leute nicht alleine durch die Gegend laufen dürfen, sondern immer mit Begleitung kommen ...

Als unfähig wurde ich auch bezeichnet, weil ich mich geweigert hatte die Gardinen der Abteilung zu Hause zuwaschen. Durch die Gitterstäbe sieht von draußen keiner wie der Wasch-Zustand der Gardinen sind. Außerdem haben wir dafür Kalfaktoren.

Jetzt kam auch langsam die tolle Verwaltung ins Spiel. Ich bekam einen Eintrag ins Dienstheft wegen Arbeitsverweigerung, weil ich nach Feierabend nicht mehr arbeiten wollte. Erstaunlich war, dass die Verwaltung da mit gemacht hatte, obwohl Überstunden umständlich genehmigt werden mussten. Dass ich dauernd Überstunden machen sollte, war auch erst ab Sommer 1997 der Fall. Da musste ich pünktlich nach Hause, um rechtzeitig im Abendgynmasium zu erscheinen.

Gegen das Abendgymnasium wollte er auch etwas tun, ging aber nicht. Meine Freizeit geht ihn nichts an. Er versuchte trotzdem öfters auf meine Freizeit Einfluss zu nehmen.

Ich erhielt zwei Abmahnungen und ich fand es sehr erstaunlich, dass die Verwaltung die auch wirklich in mein Dienstheft eingetragen hat.

Ich hatte mir auf dem Weg von der Arbeit nach Hause (Wegeunfall) ein Stück von der Fibula (Wadenbein) abgebrochen und war mit einem Liegegips nach Hause entlassen worden. Die Krankmeldung ging sofort an meine Verwaltung. Am nächsten Tag rief mich mein Chef an und befahl mir zur Arbeit zu erscheinen. Das hatte ich abgelehnt und damit die Abmahnung einkassiert.

Die zweite Abmahnung gab es, weil ich angeblich wichtige Unterlagen nicht vorgelegt hatte. Die Zeugin hatte das genau mitbekommen. Ich staune über die Fähigkeiten dieser Zeugin, die zu dem Zeitpunkt zur Kur war und sich überhaupt nicht in Berlin befand. Auch das hat die Verwaltung nicht zum Nachfragen animiert.

Fortbildungsmaßnahmen wurden natürlich nicht genehmigt. Leider konnte ich da nicht mehr selber einreichen, es ging alles über diesen Kotzbrocken.

Dafür hatte er tolle Ideen was die Schikanen betrifft. Zum Beispiel hat er meine Bilder als unzumutbar bezeichnet, wenn meine Kollegin dieselben Bilder vorlegte, waren sie plötzlich wunderbar. Er wollte mir verbieten mit dem Motorrad zur Arbeit zu kommen. Natürlich musste ich dauernd meine Mittagspause unterbrechen, weil er irgend einen Scheiß wollte.

Als Knaller hat er mich dann im April 1999 zu einem Röntgengehilfen degradiert. Selbstverständlich wurde ich in der Gehaltsgruppe herabgestuft. Das war deshalb wichtig, weil sich meine Rente mit nach dem letzten Einkommen berechnet.

Ich wurde ab 1998 regelmäßig von meinem Psychiater krankgeschrieben. Ich war also im Jahr 1998 nicht oft arbeiten und hatte langsam meinen Schrank ausgeräumt und die Sachen mit nach Hause genommen. Ab 19. April 1999 bin ich Rentner.

Die Verwaltung hatte mich von 1979 bis 1990 mit Versprechungen bei Laune gehalten. Diese Versprechungen wurden nie dokumentiert und somit wusste dann keiner mehr was davon. Meine Arbeitsbereitschaft und Freude mit der ich auch in schwierigen Zeiten immer versuchte irgendwie zu arbeiten, wurde mit Prügeln belohnt. Die Verwaltung hat nur den Unfug geglaubt, den ihr so toller neuer Radiologe erzählte.

Der Personalrat war der Meinung, dass ich mich mal zusammenreißen sollte. Die haben gar nichts gemacht.

Am Ende hatte ich folgende Medikamente täglich, um überhaupt arbeiten zu können

6 mg Bromazepam, 150 mg Trevilor, 45 mg Remergil, 900 mg Quilonum

Ich habe erhebliche psychische Schäden davon getragen, weil ich einfach nicht rechtzeitig den Absprung geschafft hatte.

Ich habe zu der bipolaren Störung noch Phobien und Psychosen bekommen. Zum Beispiel bekomme ich massive Angstzustände, wenn das Telefon klingelt, weil mein “Chef” ständig angerufen hat und mich beschimpft hat.

DG-33-0002

Mobbing ist für mich die schlimmste Art sich von Personal zu trennen, da es dauerhafte Schäden verursacht. Schäden, die die Lebensqualität enorm herabsetzen. Gerade Menschen mit Depressionen und suizidalen Gedanken kommen nie wieder richtig auf die Beine. Es ist eine unfaire Demonstration von Macht.

Ich habe mit meiner Erkrankung seit den Kindertagen zu tun. Ich war schon als Kind und Jugendlicher in psychologischer Therapie, sogar an der FU Berlin haben sich Psychologen um mich gekümmert. Seitdem ich “erwachen” bin, habe ich Medikamente bekommen. Gerade wegen meiner Suizidversuche wurde ich immer ärztlich begleitet.

Dank der Medikamente konnte ich eine Berufsausbildung erfolgreich abschließen und 20 Jahre arbeiten. Allerdings konnten die Medikamente den enormen Druck, der von meinem “Chef” ausging nicht mehr auffangen, sodass ich völlig zusammenbrach.

Aktuell

Über meinen aktuellen Zustand habe ich unter Depressionen geschrieben. Hier nur eine kurze Zusammenfassung.

Ich bin seit April 1999 in Rente. Die Rente ist nicht übermäßig hoch, aber sie reicht mir, um ordentlich zu leben. Ich nehme zur Zeit nur zwei Medikamente: Lithium und Neuroleptica. Da ich zur Zeit keinerlei Probleme habe, reichen sie auch aus.

Ich bin überwiegend zu Hause, außer Runden mit dem Hund und Arztbesuche, und gehe anderen Menschen konsequent aus dem Weg. Meine Kontakte habe ich über das Internet (Facebook und andere Netzwerke). Ich habe durch diesen “Chef” (das ist immerhin ein Arzt und müsste wissen, was er anrichten kann) eine soziale Phobie entwickelt. Ich habe regelrecht Angst, wenn ich auf andere Leute treffe.

Ich habe ein Smartphone, aber nicht zum telefonieren, sondern zum Spielen oder SMS verschicken. Den Klingelton habe ich auf stumm gestellt, damit ich keine Panik bekomme.

Meine Lebensqualität ist im Eimer, das hat er prima hinbekommen.

Therapie

 

 

AG-00-01

Ih-Mehl

XG-00-07

HP überarbeitet:

Juni 2017