Schädel  018
Therapien

Herbst 1997

Ab Herbst 1997 bin ich zum Abendgymnasium gegangen. Das war für mich zunächst eine Therapie, um Regelmäßigkeit zu üben, sowie Training für das Gedächtnis und die Konzentration. Wichtig war auch der Kontakt zu Schulkameraden, die einen nicht gleich erwürgen oder erschießen wollten.

April 1999

Nachdem im April das Klima an meinem Arbeitsplatz unerträglich wurde, hat mein Psychiater nochmals versucht mit Medikamenten mit auf die Beine zu helfen. Bromazep 6 mg (davon schlafen andere Leute ein), Quilonum 900 mg, Remergil 60 mg (normalerweise nur im Krankenhaus) und täglich eine Infusion mit Neuroleptika sollten mir weiterhelfen. Ab 19. April 1999 wurde ich krankgeschrieben, da ich praktisch zusammen gebrochen bin. Ich war außerstande die Anstalt zu betreten.

August / September 1999

In den Sommerferien schickte mich mein Psychiater zur Rehabilitation. Allerdings kam ich über die Rentenversicherung in ein Sanatorium für Psychosomatische Erkrankungen. Das hat leider nicht so viel gebracht, da meine bipolare Störung (manische Depression) zum einen einen anderen Ursprung hatte und zu anderen die Depressionen ohne äußeren Anlass auftreten. Die Therapie dort bestand aus 95% Sport und 5% Einzelgespräche und Atemtherapie. Die Einzelgespräche haben nach 3 Wochen auch aufgehört, da mir die Therapeutin nicht helfen konnte. Ich wurde mit dem Prädikat “gesund und sofort arbeitsfähig” entlassen. Mein Psychiater hat mich allerdings weiter krankgeschrieben.

November 1999

Am 15. Oktober 1999 hatte meine langjährige Lebensgefährtin einen tödlichen Unfall. Davon habe ich mich nicht so schnell erholt und die Krankschreibungen gingen weiter. Nach 7 Monaten Dauer-Krankschreibung war mein Arbeitgeber der Meinung, dass ich zum Vertrauensarzt gehen soll. Es war ein sehr gutes Gespräch und der Vertrauensarzt empfahl mir eine Rente. Er war der Meinung, dass ich mindestens ein Jahr zu Hause bleiben solle.

Januar 2000

Ich reichte also die Rente ein und erhielt eine Zeitrente für 3 Jahre, rückwirkend ab April 1999. Gleichzeitig wurde mir eine Therapie empfohlen. Da ich damals nicht wusste, dass es verschiedene Therapien gibt, meldete ich mich zu einer analytischen Therapie an.

Bis November 2000, also ein Jahr lang, hatte ich eine analytische Therapie. Bei dieser Therapie liegt man auf einer Liege und erzählt. Der Therapeut fragt selten mal. Meistens muss man von seinen Träumen und dem Tagesablauf sprechen. Eine analytische Therapie hat man 2 bis 3 mal in der Woche. Nach einem Jahr sagte mir der Therapeut, dass ich zuviel negative Energie auf ihn übertrage. Daher habe ich die Therapie abgebrochen.

November 2000

Im November 2000 wurde ich auf einem U-Bahnhof aufgegriffen. Ich bin ziellos durch die Gegend gelaufen und wusste nicht so recht wohin ich wollte. Die herbei gerufene Polizei hat mich dann in das Klinikum Steglitz auf die Krisenstation gebracht.

Auf dieser Krisenstation wird eigentlich nicht viel gemacht. Es gibt eine Gruppentherapie und eine Mal Therapie. Gruppentherapien helfen mir nicht so. Einmal in der Woche ist Visite. Auf der Krisenstation bleibt man nicht lange. Entweder man wird gesund entlassen oder man wird an eine andere Krankenanstalt überwiesen. Ich wurde nach 3 Wochen als gesund entlassen.

Januar 2001

Ich habe dann die empfohlene Verhaltenstherapie begonnen. Sie ging bis zum Sommer 2003. Bei einer Verhaltentherapie geht man ein Mal in der Woche zum Therapeuten. Hier wird das Hauptaugenmerk auf das Verhalten gelegt. Da ich aber keine Ängste habe, die eine Depression auslösen könnten bzw. ich dem Therpeuten sagte, dass die Depressionen ohne äußeren Anlass kommen, haben wir ein wenig herumgeredet. Es ist jedenfalls für mich nichts Vernünftiges herausgekommen. Ich habe dann im Sommer 2003 auch diese Therapie abgebrochen.

Januar 2003

Seit einiger Zeit hatte mir mein Psychiater einen Hund empfohlen. Ein Hund braucht im Gegensatz zu Freigänger-Katzen sehr viel mehr Aufmerksamkeit und Pflege. Er muss z.B. regelmäßig auf die Straße. Ein Hund sei ein sehr guter Therapeut. Mein Labrador Columbo zog im Mai 2003 bei mir ein.

Februar 2005

Anfang 2005 ging es mir wieder überhaupt nicht gut. Psychose und Phobien traten in den Vordergrund. Also wurde ich in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Eigentlich wollte mich mein Psychiater mal für 2 Wochen unterbringen, aber daraus wurden dann insgesamt 8 Monate, einschließlich Tagesklinik.

In der geschlossenen Abteilung wurden nur alle Medikamente abgesetzt und etwas Sport gemacht, ansonsten ein Mal in der Woche Visite ... keine Gespräche, die sich mit der Depression befassen. Auch hier gab es nur eine Verhaltenstherapie, die nichts gebracht hatte.

Nachdem es mir immer schlechter ging, wurden nach und nach die Medikamente wieder angesetzt. Eine Gesprächstherapie wegen der Depression gab es nicht und in die Depressionsgruppe kam ich auch nicht. Ich weiß nicht, was sich die Ärzte dort gedacht hatten.

In der Tagesklinik gab es ein gutes Angebot an Therapien, die mich so einigermaßen wieder auf die Beine gestellt haben.

Herbst 2005

Seit Herbst 2005 bin ich konsequent den Therapien aus dem Weg gegangen. Es geht mir nicht gut, aber ich werde auch nicht mit merkwürdigen Sachen gequält. Ich habe inzwischen meine Dauer-Rente und kann jetzt einigermaßen leben.

Unter Beschäftigung habe ich eingestellt was ich so an eigenen Therapien mache. Gespräche sind immer etwas sinnlos, da meine Depressionen ohne äußeren Anlass kommen. Außerdem leide ich seit über 50 Jahren unter der manischen-Depression und war als Kind schon sporadisch bei Therapien.

Februar 2013

Im Februar 2013 bin ich selbständig in die geschlossene Psychiatrie gegangen, da es mir miserabel ging. Allerdings habe ich aus Kostengründen schon nach 4 Wochen um meine Entlassung gebeten. Im Gegensatz zu 2005 ist die Selbstbeteiligung nicht mehr auf 2 Wochen begrenzt, sondern die Selbstbeteiligung muss während der gesamten stationären Zeit bezahlt werden. Das konnte ich mir leider nicht leisten, sonst wäre ich noch länger geblieben.

Februar 2016

Ich bekomme weiterhin meine Medikamente: 900 mg Quilonum und 400 mg Quetiapin täglich. Nach dem Krankenhausaufenthalt 2013 habe ich mir einen neuen Psychiater gesucht und auch gefunden. Der vorherige war eigentlich nur ein Dealer mit Lizenz. Wenn ich einen Termin hatte, wurde mir immer nur gesagt, dass er eigentlich überhaupt keine Zeit habe. Dann gab es, wenn ich mal was sagte, folgende Antworten: “Das möchte ich nicht hören”, “Gehen Sie mal zu einer Selbsthilfegruppe” oder “Da kann ich Ihnen nicht helfen”.

Der war richtig Klasse. Daher war es günstig nach einem neuen Arzt zu suchen. Jetzt fühle ich mich gut aufgehoben, er hat immer Zeit und er gibt vernünftige Antworten und Tipps. 

Oktober 2017

Ich habe jetzt eine Erhöhung der Schwerbehinderung beantragt. Die Schmerzen in den Kniegelenken werden immer stärker und behindern mich doch stark. Da mir zwei Ärzte in den letzten 10 Jahren erzählten, dass die Schmerzen Einbildung seien, versuche ich es jetzt mal mit dem MDK. Übrigens: Ibuprofen 400 in größeren Mengen helfen gegen eingebildete Schmerzen.

Desweiteren habe ich Pflegegeld beantragt. Dann hätte ich jeden Tag für eine Stunde eine Hilfe. Ich schaffe vieles alleine nicht mehr.

Nun bin ich mal gespannt was so passiert.

Rente

 

 

AG-00-01

Ih-Mehl

XG-00-07

HP überarbeitet:

Oktober 2017