Schädel  018
Rente

Eine Rente wegen Erwerbsminderung oder Berufsunfähigkeit beantragt man beim Deutschen Rentendienst. Man muss nur anrufen und bekommt das Formular zugesandt. Eine Rente wegen Erwerbsunfähigkeit, wie ich sie noch habe, wird heute kaum noch bewilligt. Es wird immer eine Arbeitsfähigkeit von 1 oder 2 Stunden täglich festgestellt. Es wird auch gerne nur eine Berufsunfähigkeit bescheinigt. Man hat dann zwar teilweise Auflagen mit denen man nie eine Arbeit findet, aber man fällt aus der Rentenzahlung heraus.

Man sollte vor der Beantragung einige Voraussetzungen haben. Man sollte unbedingt schon eine Weile bei einem Psychiater oder Neurologen in Behandlung sein. Wichtig ist, dass man Therapie-Versuche nachweisen kann, also entweder eine analytische oder eine Verhaltenstherapie. Krankenhausaufenthalte sind immer sehr gut, genauso wie die Anerkennung einer Schwerbehinderung. Mit Depressionen bekommt man 50% Schwerbehinderung ... das hat Arbeitsrechtlich schon ein paar Vorteile, da man unter das Schwerbehindertengesetz fällt.

Die Anerkennung einer Schwerbehinderung wird in Berlin beim Versorgungsamt beantragt. Auch hier bekommt man ein Formular, dass man leserlich ausfüllen muss. Bei mir wurde die Schwerbehinderung abgelehnt, nach einem Widerspruch und einer weiteren Ablehnung habe ich eine Klage beim Sozialgericht eingereicht. In Berlin kann man diese Klage direkt beim Gericht über einen Rechtspfleger einreichen. Das hat den Vorteil, dass alles korrekt ausgefüllt ist und das Gericht die Klage nicht wegen Formfehler abweist. Bei mir wurde relativ schnell per Aktenlage entschieden und ich habe die 50% bekommen. Das ganze Verfahren vom Antrag bis zur Entscheidung des Sozialgerichts hat ungefähr 3 Monate gedauert.

Wenn man den Antrag auf Erwerbsminderungsrente in Händen hält, sollte man das Formular leserlich ausfüllen. Dazu packe man ein Attest vom behandelnden Arzt, einen Bericht vom Krankenhaus und die Bestätigung der Therapien. Alle Unterlagen sicherheitshalber fotokopieren. Adressieren, Marke draufkleben und ab zur Post. Einschreiben mit Rückschein, dann weiß man, dass die Sendung angekommen ist. Ach ja, günstig ist es, wenn man ankreuzt, dass man nicht alleine kommen kann. Ich hatte zu einem Gutachterbesuch jemanden vom Sozialdienst. Ich wurde abgeholt und nach Hause gebracht.

Nun muss man auf den Termin beim Gutachter warten. Ich hatte immer so eine Wartezeit von ca. 6 Wochen. Natürlich muss man für diese Zeit weiterhin krankgeschrieben sein. Wenn man zwischendurch arbeitet wird das negativ ausgelegt.

Der Besuch beim Gutachter ist nicht so schlimm. Manche Gutachter stellen Fragen, andere lassen den Patienten erzählen und stellen nur Zwischenfragen. Meistens hat der Gutachter die Akte von der Rentenversicherung vorliegen und ist somit über alles informiert. Die Untersuchung dauert ungefähr eine Stunde, je nachdem wieviel zu besprechen ist. Am Ende sagt der Gutachter aber meistens, was er der Rentenversicherung empfehlen wird. Bei mir war es ein Gutachter, der nichts sagte, die anderen haben immer die Empfehlung kund getan.

Mein Weg in die Rente

April 1999

Seit 1982 war ich in Behandlung wegen meiner Depressionen. Zunächst noch ohne Medikamente, später mit 900 mg Quilonum, 150 mg Trevilor, 45 mg Remergil und 6 mg Bromazepam. Schon diese Medikation hat den Gutachter bewogen, eine Zeitrente zu empfehlen. Dazu kam der Befund des Vertrauensarztes vom April 1999. Ich war ab 19. April 1999 krankgeschrieben.

Zunächst gab es aber eine Reha im Sommer 1999. Ich kam in eine Klinik für Psycho-Somatische-Erkrankungen. Das ist natürlich bei einer Bipolaren Störung, Psychosen und Phobien nicht so die richtige Klinik. Die Therapien waren nicht das Richtige für mich. Ich wurde nach 6 Wochen mit dem Prädikat gesund und sofort arbeitsfähig entlassen. Die Entlassungsbegründung lautete: Wer im August anreist ist nach 6 Wochen gesund!

Im November 1999 wurde ich von der Polizei aufgegriffen, da ich orientierungslos durch einen U-Bahnhof geirrt bin. Sie brachten mich zur Krisenstation vom Klinikum Steglitz. Nach 3 Wochen wurde ich hier als “gesund” entlassen. Sie gaben mir nur noch den Tipp eine Therapie zu machen. Mir wurde aber nicht gesagt, dass es verschiedene Therapien gibt.

Im Dezember 1999 meldete ich mich für eine analytische Therapie an. Dreimal in der Woche bin ich dorthin gelatscht, ohne mal irgend eine Aussage vom Therapeuten zu erhalten. Im Dezember 2000 stellte er fest, dass ich zu viel negative Energie auf ihn übertrage. Therapie beendet.

Im Dezember 1999 wurde die 1. Zeitrente ab April 1999 für drei Jahre bewilligt.

2001 habe ich dann eine Verhaltenstherapie begonnen. Diese ging bis Mitte 2003. Hier wurde versucht meinen Phobien auf den Grund zu gehen und zu beheben. Das hat aber auch nicht so gut geklappt. Das liegt aber auch daran, dass ich nur in den Therapie-Stunden geübt habe. Zu Hause hatte ich dann kaum Möglichkeiten weiter zu üben. Meine Phobien umfassen Gegebenheiten, die bei mir eigentlich nie eintreten.

Im Februar 2002 kam der nächste Gutachtertermin. Schon meine Medikamente.  Quilonum 900 mg, Remergil 60 mg und Bromazepam 6 mg, ermunterten den Gutachter die Rente weiter zu befürworten.

April 2002

Die Verhaltenstherapie lief weiter bis Anfang 2003. Da ich keine Depression habe, die auf Ängsten basiert, war es schwierig etwas an meinem Verhalten zu ändern, damit die Phasen besser werden. Bei mir handelt es sich ja nicht um eine einfache Depression, sondern um eine Bipolare Störung. Diese Erkrankung habe ich von meinem Vater geerbt, der auch sehr darunter gelitten hat.

Ansonsten habe ich weiterhin das Abendgymnasium besucht bis Juni 2003. Dadurch war ich am Tage gut beschäftigt. Weitere Therapie Versuche habe ich nicht unternommen. Das Abitur habe ich trotz großer Prüfungsangst gemeistert. Nicht besonders gut, dafür aber mit Begeisterung und vor allem geschafft ist geschafft, die Zensuren interessieren kaum jemanden. Und ein Jura Studium konnte ich trotzdem beginnen.

2003 war ich viel in meiner Residenz in Agost. 2004 war ich nur kurz dort, da mein Auto kaputt ging. Es stand 6 Wochen in Alicante in der Werkstatt mit einer gelochten Ölwanne.

Im Februar 2004 folgte der Gutachtertermin. Die Gutachterin war davon überzeugt, dass ich nie wieder arbeiten kann und hat in ihrem entsprechenden Gutachten vermerkt, dass sie eine Dauer-Rente empfiehlt. Die Rentenversicherung hat aber wieder zwei Jahre bewilligt.

April 2004

Ich habe alle Therapien abgebrochen und begonnen mich selber um einiges zu kümmern. Ich habe angefangen Mosaik-Bilder zu stecken. Das ist gut für die Ausdauer und die Konzentration. Dann kamen die ersten Puzzle-Spiele, was zusätzlich die Geduld schult, vor allem, wenn immer ein Kater helfen will.

Im Wintersemester 2003 habe ich mit einem Chemie-Studium begonnen, bin dann im Wintersemester von der FU-Berlin zur Uni Potdam gewechselt. Als ich dann, wegen der Medikamente nicht mehr im Labor arbeiten durfte, habe ich drei Semester Jura belegt. 2009 habe ich mich vom Studium verabschiedet, da es doch ziemlich anstrengend war.

Im Februar 2005 musste ich in die geschlossene Psychiatrie. Ich weiß ja auch nicht, was die sich dachten, jedenfalls habe sie alle Medikamente abgesetzt. Als ich dann praktisch entgiftet war, kam ein ordentlicher Zusammenbruch und die Medikamente wurden wieder angesetzt. Dieses Hin und Her dauerte bis zum September 2005. Ich hatte ab Mitte August schon Ausgang nach Hause für einen Tag, und das jede Woche. Ich wurde Mitte September 2005 dann in den “offenen Vollzug”, also in eine Tagesklink verlegt. Dort blieb ich bis Anfang November 2005.

Ende 2005 war wieder mal ein Gutachter Termin fällig. Er begrüßte mich gleich mit den Worten: Die letzte Gutachterin hätte eine Dauer-Rente empfohlen, was ich denn nun von ihm wolle. Tja, die Rentenversicherung hat mich geschickt, tut mir leid. Er hat sich kurz mit mir unterhalten und hat dann auch die Dauer-Rente empfohlen. Aber da hat die Rentenversicherung nicht mitgemacht. Es gab wieder eine Zeitrente.

April 2006

In den Jahren 2006 bis 2008 ist nichts grundlegendes passiert. Ich bin, soweit möglich, zur Uni gegangen und habe ich um meine Hunde und Katzen gekümmert. Sehr rechtzeitig, Ende 2007 habe ich eine Rentenverlängerung beantragt und habe nach dem Besuch beim Gutachter die Dauer-Rente bewilligt bekommen.

Ende 2007 hat mein Arzt seine Kassen-Praxis aufgegeben. Er gab mir die Adresse eines Kollegen. Mit dem bin ich aber überhaupt nicht klar gekommen. Zum einen hatte er nie Zeit und wenn ich irgendein Problem ansprach, bekam ich eine Selbsthilfegruppe oder eine Beratungsstelle genannt. Er wollte nichts hören und war immer überarbeitet. Ich habe mir also nur Rezepte geholt und das war es, ein Dealer mit Lizenz.

Dauerrente bis 2023

Ich habe bis 2009 weiterhin die Uni besucht. Außerdem habe ich viele Hundeausstellungen besucht bis 2011. Dann fingen die Ausstellungen an zu anstrengend zu werden.

Anfang 2013 war ich noch mal in der geschlossenen Psychiatrie für 4 Wochen. Länger konnte ich mir das nicht leisten, da es keine Begrenzung in der Zuzahlung mehr gibt. 2005 musste ich nur für 2 Wochen zuzahlen, jetzt muss ich für den gesamten Aufenthalt zuzahlen, dazu kommen noch die Unterbringungskosten für den Hund und die Katzen, kostet mich ein Tag im Krankenhaus 50 Euro. Das ist mit meiner Rente kaum zu bezahlen. Daher habe ich mich auf eigene Verantwortung entlassen lassen.

Bis Anfang 2013 bin ich noch zu meinem Dealer mit Lizenz gegangen, dann habe ich endlich einen tollen Psychiater gefunden, der auch nicht so weit weg ist. 10 Minuten laufe ich zur Praxis. Er nimmt sich viel Zeit, hört sich alles an und gibt Tipps. Allerdings ist er so überlaufen, dass man so alle 3 Monate mal einen Termin bekommt. Man kann im Notfall aber auch ohne Termin kommen, dann muss man nur lange warten.

Agost

 

 

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HP überarbeitet:

Oktober 2017