Bipolare Störung
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Bipolare Störung (manische Depression)

Schon oft gehört:

Bipolare sind eine Zumutung für ihre Umgebung.

Ich bin eine Zumutung und hoffe, dass ich mit meinem Begleiter den Urlaub vom 25.4. bia zum 8.5.2022 gut überstehe. Eine Zumutung ist meine sprunghaftigkeit und ich bin im Moment in der unkontrollierbaren Manischen Phase. Da mache ich viele lustige Sachen und ich bekomme völlig unvohergesehene Lachkrämpfe. Ich nehme nichts ernst und kann mich auf nichts konzentrieren. Und: ich trete in jedes Fettnäpfchen. Trotzdem ist die manische Phase besser als die depressive. Ich hoffe sehr, dass ich im Urlaub keine Depression bekomme. Die letzte Depression hatte ich die letzten 2 Wochen. Seitdem laufe ich wieder rum und entschuldige mich bei vielen Leuten (Fettnäpchen)

Es gibt nicht “die Depression”. Jeder Kranke hat seine eigene Depression und die Kunst des Psychiater ist es, herauszufinden welche Depression man hat. Jede depressive Erkrankung muss individuell behandelt werden. Es gibt z.B. die Form, die ich seit Kindertagen habe, dann diejenige, die durch Ängste ausgelöst wird oder diejenige, die durch negative Einflüsse ausgelöst wird. Ich habe die bipolare Störung anscheinend von meinem Vater geerbt. Da wird aber noch fröhlich herumgeforscht.

Die Depressionen, die durch Ängste ausgelöst werden, können gut behandelt werden, Therapien helfen. Welche Ängste sind vorhanden und dann können die mit einer Desensibilisierung angegangen werden.

Bevor ich in die Schule kam wurde ich als schwermütig bezeichnet. Bei Kindern war eine bipolare Störung oder auch manische Depression völlig unbekannt. Bei Kindern gab es eine Art Depression, die durch äußere Auslöser zu Tage traten. Ich habe diese Erkrankung wohl von meinem Vater geerbt, der sehr unter der manischen Depression gelitten hat. 1963 hatte ich meine erste richtige Depression. Da ich nicht wusste was da passiert, habe ich sicherheitshalber die Hausapotheke leer gefuttert. Meine Suizid-Versuche sind alle daneben gegangen,weil ich versucht habe mich zu vergiften.

Ich war nur in mich gekehrt, hatte keine Kontakte zu anderen Kindern in meinem Alter und war eigentlich immer alleine. Da gibt es allerdings noch eine andere Leiche, die ich im Keller habe und nicht öffentlich diskutieren möchte. Viele Freunde meiner Eltern nahmen auch Abstand von mir: Der schaut immer so gespenstisch.

In der Schulzeit hatte ich dann sehr große Probleme, da ich auch hier keinen Anschluss an andere Mitschüler suchte, sondern auch in dieser Zeit lieber als Einzelgänger unterwegs war. Aus Angst, dass ich mir was antun könnte, wurde ich bis zum Abschluss 1974 zur Schule gebracht und abgeholt. Das hatte noch einen zweiten Grund. Ich wurde ständig verdroschen von den anderen. Alex war anders als die Norm

Während in der Kindheit und Jugend nur die Depression zu Tage trat, hat sich im Laufe der Zeit immer öfters auch eine manische Phase gezeigt.

Von 1982 bis 1999 lebte ich in einer Zwei-Personen-WG. Da wurde auch immer auf mich aufgepasst. Wenn meine WG-Mitbewohnerin arbeiten musste, dann hat ihre Mutter auf mich aufgepasst.

Seit 1999 bin ich erst ständig krankgeschrieben und seit Anfang 2000 bin ich erwerbsunfähiger Rentner. Von 1978 bis April 1999 konnte ich richtig arbeiten. Ich habe jede Menge Medikamente bekommen 900 mg Lithium, 45 mg Remergil, 150 mg Trevilor und Benzodiazepine. Damit konnte ich gut arbeiten gehen, trotz Kotz-Attacken morgens und Durchfällen. Alles wurde gedämpft. Mit den Tabletten bin ich sogar Motorrad gefahren. Alex vollgedröhnt auf seiner BMW R 80. Aber ich bin nie umgefallen. Ich habe immer gewusst, wann die Füße auf die Straße gehören.

Es gibt im groben zwei Therapien: die Verhaltenstherapie und die Analytische Therapie. Die Analytische Therapie hatte Alex Anfang 2000. Da liegt man auf der Liege (der Klassiker) und erzählt über seine Träume und so. Der Therapeut hat mich nach 2 Jahren rausgeworfen, da ich zuviel negative Energie auf ihn übertrage. Na toll! Eigentlich sollen bei der Psycho-Analyse versteckte Ängste aufgefunden werden und solle dann angegangen werden.

2011 wurden die Tabletten umgestellt 45 mg Mirtazapin, 300 mg Elontril und 900 mg Lithium. Die Benzodiazepine gab es nicht mehr, brauchte ich auch nicht mehr. Ohne den Ärger bei der Arbeit war das schon in Ordnung.

Zur Zeit (Februar 2022) ist der Wechsel der Phasen sehr abrupt. Ich bin jetzt zum Beispiel in der manischen Phase, schon sehr lange den ganzen Januar und Februar, aber ich habe plötzlich depressive Einbrüche. Zwischendurch ist urplötzlich ein Tag mit einer extremen Depression. Ist der Tag zu ende, dann kommt die manische Phase wieder zum Vorschein.

In der manischen Phase bin ich ruhelos, überdreht, schlaflos und sehr nervös. Außerdem ist auch das Essen für mich nicht so wichtig. Ich tobe nachts durch die Bude und höre laute Musik (überwiegend Beethoven, Johann Strauß, Suppé und Offenbach). Mein Hund findet das immer lustig, wenn ich plötzlich so mobil bin.

In der depressiven Phase bin ich das genaue Gegenteil. Ich liege nur in der Gegend herum und bin praktisch handlungsunfähig. Was seit 2017 für mich blöd ist: Es gibt niemanden, der mir mal einen Kaffee macht oder auch was Essbares. Während der Depression habe ich jetzt meine Fastenzeit. Bis 2017 hat mich mein Nachbar etwas versorgt in dieser Zeit, aber der hat dann den Kontakt abgebrochen und ich kann sehen wie ich fertig werde.

Eine Zwischenphase gibt es nicht mehr. Das war die Phase in der ich eigentlich wie jeder andere Mensch reagiert und gelebt habe. Heute unkontrollierbare manische Phase und morgen extreme Depression. Ich kann eigentlich nichts planen im Moment ... ich weiß ja nicht was morgen so los ist.

Die Verhaltenstherapie hatte Alex ab 2003. Hier wird am Verhalten gearbeitet. Ich mit meiner sozialen Phobie sollte also auf einen ordentlich bevölkerten Markt gehen. Ich habe versucht dem Therapeuten zu erklären, dass ich keinen Kontakt brauche und dass eine Gesprächstherapie irgendwie sinnvoller wäre. Die Krankenkasse hat diese dämliche Verhaltenstherapie aber “angeordnet”.

Bei mir werden die Depressionen nicht durch äußere Einflüsse ausgelöst. Ich wache morgens auf, alles ist Käse und dann bleibe ich einfach liegen. Genauso plötzlich wie sie kommt, geht sie auch wieder. Damit die Depression nicht zu lange dauert (schließlich muss ich mich versorgen), gibt es Medikamente. Aber es gibt ein ganz tolles Mittel um die Depression etwas abzumildern: Hunde und Katzen.

Mein Goldie Uriel wird gerade zum Assistenzhund ausgebildet. Wir sind jetzt erstmal mit den Wohnungs Übungen dran. Also Anschlagen wenn es an der Tür klingelt. Ich leide auch unter Psychosen, da klingel es öfters mal (in meinem Kopf). Oder er gibt mit Gegenstände hoch, die mir runtergefallen sind. Natürlich nur Sachen, die er auch Anheben kann. Später für die Außen-Übungen brauche ich einen Hundetrainer. Das sind nämlich die schweren Übungen wie z.B. der Hund muss aufpassen ob ein Auto sich nähert. Also er kann nur hören, dass das was kommt, aber nicht die Richtung. Jedenfalls darf er mich dann nicht auf die Straße lassen. Er sollte mich vor merkwürdigen Leuten warnen, oder was ganz wichtig ist: er muss mich immer nach Hause bringen. Ich verlaufe mich ja schon auf den paar Metern zwischen Tabak-Dealer und zu Hause. Wie oft bin ich auf einer Wiese gelandet. In der manischen Phase bekomme ich in so einem Fall einen Lachkrampf. Dann stehe ich auf der Wiese und kann mich kaum einkriegen. Die Leute staunen dann immer sehr. Aber ich wohne hier seit 40 Jahren und die meisten Leute kennen mich noch. Also ich werde nicht gleich eingewiesen. Die lassen mich hier alle in Ruhe. Der Alex ist ein besonders bunter Vogel, der mitten auf einer Wiese steht und sich totlacht unter dem Motto: Wieder nicht die richtige Straße getroffen, so ein Pech. In den 60er und 70er Jahren haben die Leute den Kopf geschüttelt, manchmal auch die Jungs mit der Zwangsjacke angerufen. Heute ist alles friedlicher, die Leute grinsen und gehen weiter ihres Wegs. Manchmal werde ich auch angequatscht: “Dich darf man nicht alleine auf die Straße lassen”. Stimmt!

Seit April 1999 erhalte ich eine Rente wegen Erwerbsunfähigkeit. Ich bin nicht mehr in der Lage einer geregelten Tätigkeit nachzugehen. Die Rente wurde vomm Vertrauensarzt vorgeschlagen und ein entsprechender Bericht ging an die Rentenkasse.

Der Alex ist während der Depression handlungsunfähig und kann keiner geregelten Arbeit nachgehen. Außenstehende kommen dann gerne mit dem Spruch: “Reiß dich am Riemen”. Den Satz finde ich immer unpassend. Da es bei mir keinen Auslöser für die Depression gibt, habe ich alle Therapien abgebrochen und werde auch keine neue Therapie beginnen. Ich habe von 2007 bis 2011 meine eigene Konfrontations-Therapie durchgeführt: Hunde-Ausstellungen.

Im Internet gibt es leider keine guten Foren mehr. Nachdem die Angsthasen geschlossen wurden, war ich auf der Suche und habe nur ein Forum gefunden mit 11.000 Mitgliedern. Das ist ein bißchen viel. Dafür habe ich bei Facebook gute Gruppen gefunden. Das sind alles Leute mit den gleichen Problemen und man bekommt entweder individuelle Hilfe oder man kann aus den Erfahrungen der anderen lernen.

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Jede Form der Depression sollte von einem Psychiater behandelt werden. Nur er weiß wie die Behandlung aussehen muss und er kann auch entsprechende Therapien empfehlen. Auf keinen Fall sollte man denken: Ach die Phase geht schon vorbei. Es hat etwas mit Lebensqualität zutun, wenn man mit einer guten Therapie die Phasen verkürzen kann und auch dämpfen kann.

Wie ein schlechtes Arbeitsklima die Medikamententherapie sinnlos machen kann, habe ich auch mal aufgeschrieben.

Dann habe ich meinen Weg in die Rente und ein wenig über Therapien bemerkt. Wie gesagt, bei mir sind Therapien nicht so angebracht, daher ist die Rubrik nicht so ausführlich geraten. Der Weg in die Rente ist als Beispiel gedacht. Heute, 12 Jahre später, könnte es anders aussehen

2016: Im Moment geht es mir sehr gut ... ich bin in der manischen Phase und hoffe, dass es diesmal etwas anhält.

Leider werden die “guten Phasen” immer kürzer und die depressiven immer länger. Die manische Phase ist günstig, da ich einen Spanisch-Sprachkurs in der VHS belegt habe.

Seit Juli 2018 habe ich den Pflegegrad 2 und den Grad der Behinderung von 60%

Seit Juli 2018 werde ich von einem Pflegedienst betreut. 2 mal am Tag kommt das Pillen-Kommando und 4 mal in der Woche Pflegehelfer. Neben Aufräum- und Putztätigkeiten stehen Waschen und Einkaufen auf dem Programm. Gerade auf der Straße, mit überqueren von stark befahrenen Straßen, ist ein Helfer sehr angenehm und für mich sicher. Mit dem Hund gehe ich immer so, dass ich entweder gar keine Straße überqueren muss oder nur die kleinen Nebenstraßen, auf denen einem höchstens einmal pro Stunde ein Auto begegnet. Selber Autofahren ist für mich im Moment nicht möglich. Ich will aber zwischen den Feiertagen nachts mal versuchen, ob ich das Auto bewegen kann.

Durch die Medikamente bin ich schon arg vollgedröhnt und bekomme vieles nicht mit.

Leider hat der Pflegedienst im Juli 2020 jede Außer-Haus-Hilfe gestrichen, auch die Helfer für zu Hause dürfen nur noch Putzen. Das hilft mir gar nicht weiter, aber was soll ich machen? Ich versuche mich mit Obdachlosen zu bewegen. Also für eine Flasche Scheibiko bringt mich dann irgendeiner zum Arzt und wieder zurück. Scheibiko?? Scheiß billiger Korn!

Seit 1. August 2021 habe ich den Pflegegrad 3. Es sind schon so einige Faktoren dazu gekommen, die diese höhere Einstufung rechtfertigen. Ich merke es aber auch. Zum Beispiel stürze ich oft, da ich ständigen Schwindel habe. Ich habe eigentlich gute Möglichkeiten mich festzuhalten, aber manchmal komme ich doch zu Fall. Seit Januar 2022 habe ich einen Hausnotruf zu den Johannitern am Handgelenk. Wenn ich mich ernsthaft verletze brauche ich nur den Knopf zu drücken und der Notruf wird abgesetzt. Die Zentrale meldet sich und ich kann sagen was passiert ist und welche Verletzungen ich habe. Das beruhigt mich schon sehr.

Wenn man immer alleine ist, ist es toll wenn jemand aufpasst. Vor kurzem stand jemand von den Johannitern vor der Tür. Ich habe wohl nicht auf den Ruf reagiert und da haben sie gleich jemanden vorbei geschickt. Es ist irgendwie schön zu wissen: Bevor es im Treppenhaus nach Verwesung riecht kommt jemand und kümmert sich. Es war von meinem Pflegedienst eine gute Idee, mir die Johanniter zu empfehlen und keinen anderen Notruf. Sie haben mir diesen Dienst förmlich  verordnet. Da ich selbst Probleme habe mit Anträgen, macht der Pflegedienst viel für mich. Das geht über das Büro und hat nichts mit den gestrichenen Diensten bei mir zu tun.

Als nächstes versuche ich zwei Handgriffe zu bekommen. Einer damit ich von der Toilette hochkomme und einer damit ich aus der Badewanne komme, ohne dass ich gleich aufs Maul falle.

März 2022

Im Mopment geht alles etwas durcheinander beim Pflegedienst. Irgendwie haben die einen ordentlichen Personalmangel. Im Spätdienst kommt jeden Tag ein anderer. Bald kenne ich alle Mitarbeiter. Nur im Frühdienst wechseln sich zwei Damen ab. Wobei auch im Frühdienst zur Zeit immer mal eine neue Pflegekraft kommt

Meine Fahrfertigkeiten lassen zu wünschen übrig. Ich nehme mal an, dass mein Begleiter die Strecke nach Agost fahren muss. Nun haben wir eine Unterkunft bei Lyon. Dort können wir 2 bis 3 Tage bleiben. Ist auch nicht zuu verachten.

Alex hofft auf ein Wunder mit dem Pflegedienst. Wechseln möchte ich nämlich nicht so gerne.

Ich bn einfach zu viel alleine. 24 Stunden am Tag, denn das Pillen-Kommando hat selten mal Zeit für 2 Sätze.

Inzwischen gibt es zwei Pfleger, die mich anfassen dürfen, ohne dass ich Panik bekomme. Die Helfer für die große Körperpflege müssen damit rechnen, dass ich fluchtartig das Badezimmer verlasse. Aber ich warne sie vor mit meiner Leiche im Keller und mit der sozialen Phobie. Zum Glück schickt mir der Pflegedienst für die große Körperpflege Männer. Mit Frauen habe ich große Probleme. Meine Putz-Tante habe ich schon zwei Mal rausgeworfen, weil sie mir auf den Wecker fiel. Das letzte Mal ist sie kommentarlos verschwunden (Alex hat mal wieder richtig randaliert) und zum nächsten Termin kam ein netter Mann.

Ich versuche jetzt Handgriffe für die Badewanne zu bekommen. Ich kann dann in der Badewanne gut stehen.  Dann können mich die Helfer abduschen und haben nicht so viel Körperkontakt zu mir. Das ist dann angenehmer für mich.

Arbeitsleben