Schädel  018
Räuberhauptmann

Mittelschwerer Lebenslauf

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Kindheit

Also, das bin ich. Ich heiße Alexander und bin eigentlich der Kopf der Bande. Leider habe ich oft kein Mitspracherecht. Das elektrische Lampenlicht der Welt habe ich 1957 in einem Bett erblickt. Klar, auf dem Kronleuchter wäre es zu umständlich gewesen, für die fünf Minuten da heraufklettern ...

Meine Kindheit habe ich mehr schlecht als recht über die Runden gebracht. Wir wohnten nicht weit vom Stadtpark Schöneberg und dort konnte ich meine Freizeit verbringen.

Ostern 1963 begann der “Ernst des Lebens”, in Form der Schule. Bis 1966 bin ich in die Grundschule am RIAS gegangen, dann kam ein Umzug und ich kam in eine Grundschule in Licherfelde.

Bis 1966 wohnten wir in Berlin-Schöneberg in der Nähe des großen Stadtparks. Wir hatten eine Dachwohnung mit einem schönen Dachgarten. Dort konnten wir so einige Tiere halten, wie zum Beispiel Schildkröten, Mäuse, Schlangen. Außerdem hatten wir noch ein Aquarium und ein riesiges Vogelbauer mit vielen verschiedenen Piepmätzen.

Da meine Mutter Angst davor hatte dort oben überfallen zu werden, wollte sie eine Pistole oder einen Hund. Ein Hund war für meinen Vater einfacher zu besorgen. So kam 1962 ein Lastrami zu uns. 1966 folgte dann ein zweiter Hund, eine geschmuggelte Dachsbracke aus Österreich.

Schulzeit 1963 bis 1975

Ich wurde Ostern 1963 eingeschult und wurde Ostern 1975 zur Freude der Lehrer entlassen. Anfangs waren wir noch 40 Schüler in der Klasse. Das funktionierte nur, weil es damals noch eine gewisse Disziplin in der Schule herrschte. Eine nachhaltige Vorschrift hieß: Wir schreiben mit dem “schönen Händchen”, das war damals die rechte Hand. Nachhaltig war es, weil ich später immer langsamer geschrieben hatte als die anderen und ich hatte sehr oft Schmerzen im rechten Handgelenk, die oft bis in den Ellenbogen ausstrahlten. Dieses Rechtsschreib-Gebot hatte sich aber bald, für nachfolgende Jahrgänge, erledigt, da jeder schreiben durfte wie er wollte. Dafür hat die Disziplin in den Schulen nachgelassen ... grins.

Während der gesamten Schulzeit hatte ich mich von den anderen ferngehalten. Ein paar blöde Geschehnisse hatten mich überzeugt, dass man den Rest der Menschheit vergessen kann. Zum Glück hatte ich später Eidechsen und Leguane als Haustiere. Die fressen nur Lebendiges. Da konnte ich während der Pausen in der Schule durch die Sträucher stapfen und leckere Spinnen, Käfer, Würmer und anderes jagen. Das fanden die anderen kurios und haben Abstand gehalten. So hatte ich immer meine Individual-Distanz.

Irgendwann, Ostern 1975 hatte ich dann meine Mittlere Reife in der Tasche und konnte, zur Freude der Lehrer, die Schule verlassen. Ich hatte natürlich eine spektakulären Abschluss geschafft. Nun konnte ich mich auf den Weg zur Berufsberatung machen. Diese Berufsberatung wurde damals noch von den Arbeitsämtern angeboten. Es wurde an Hand der Zeugnisse und Fähigkeiten nach Ausbildungsstellen gesucht.

Ausbildung 1975 bis 1978

Durch den außergewöhnlich guten Abschluss, konnte mir die Tante von der Berufsberatung 1975 nicht sehr viel helfen. Eigentlich war ich für keine entsprechende Ausbildung vermittelbar. Zur Auswahl standen Bomben-Entschärfer oder Röntgenassistent. Beide Berufe waren beliebt wie Fußpilz. Ich entschied mich für die strahlende Zukunft: Medizinisch-technischer-Radiologie-Assistent. Viele hatten damals lustigerweise schon Angst vor der Strahlung ... für mich völlig unverständlich. Es gab damals in West-Berlin nur eine Schule, die diesen Ausbildungsgang anbot. Mein Vater musste Schulgeld bezahlen. Aber anders ging es nicht.

Die Ausbildung ging von November 1975 bis Ostern 1978. Ich hatte mich dazu entschlossen ein Semester zu wiederholen. Auch hier hatte ich einen unglaublichen Abschluss geschafft. Damals hat man sich dann gleich beim Arbeitsamt gemeldet, die dann Arbeitsplätze vorgeschlagen hatten. Man bekam Schreiben zu geschickt, gleich mit Vorstellungstermin drauf. Dann nach dem Gespräch musste der Arbeitgeber einen Schein zurückschicken und der Arbeitsuchende auch. Nach den Zetteln vom Arbeitgeber konnte sich das Arbeitsamt bei weiteren freien Stellen aussuchen was passen könnte.

Berufsleben 1978 bis 1999

Mein erster Job war ein Griff daneben. Es war ein Krankenhaus mit permanentem Personalmangel. Zum Glück hatten mir die zickigen Kolleginnen die Jobs gegeben, die sie selbst nicht mochten. Operationssaal, Pathologie und Intensivstation. Klasse, keiner der mir auf den Wecker fällt und meine eigene Dunkelkammer hatte ich dadurch auch. Nach 6 Monaten habe ich mich kündigen lassen. Das war damals wichtig, um Arbeitslosengeld zu bekommen.

Das Arbeitsamt hatte schnell meinen Traumjob. Das war die einzige Stelle, die ich hätte ablehnen können, habe ich aber nicht. Es war ein Job in der Staatspension, zu gut Deutsch, wer zu mir wollte, musste einen Mietvertrag mit dem Staatsanwalt abschließen. Es war toll bis 1991 als der neue Radiologe bei uns anfing. Mehr dazu unter Arbeitsleben.

Die Mitbürger mit vorübergehend besonders festem Wohnsitz waren alle friedlich. Mit meinen Späßchen hatte ich viel Erfolg. Ich bin also mit den Knackis immer gut klar gekommen und als mein Chef immer schlimmer wurde, hatte ich sogar ordentliche Rückendeckung von Langstrafern aus Tegel. Die kannten mich teilweise 10 und mehr Jahre und waren sehr erbost wie dieser Radiologe mit mir umgesprungen ist. Denn er hat immer versucht Publikum zu haben. Der Typ hat es nicht begriffen (der war aus dem Osten), dass Gefangene auch Menschen sind, die einen ordentlichen Umgang haben möchten. Mir war es immer egal, was die Jungs ausgefressen hatten. Klar, manche habe von sich aus erzählt, aber gefragt habe ich nie. Ich bin immer unbefangen an die Jungs herangegangen und habe mit ihnen gequatscht und immer ein offenes Ohr gehabt. Es war für mich der ideale Job und die meisten haben sich auf meine Späße eingelassen.

Fernlehrgang 1991 bis 1996

Da ich meine Freizeit sinnvoll ausfüllen wollte, habe ich einen Fernlehrgang begonnen. Das war natürlich damals nicht ganz so einfach, da ich in der Zeit noch in einer festen Beziehung war und arbeiten musste. Allerdings hat mich das nette Benehmen meines neuen Chefs dazu angeregt den Lehrgang so lange wie möglich zu durchzuhalten. Leider hatte es damals nicht geklappt; es war einfach zuviel. Ich habe morgens um 4 Uhr angefangen mit einem Lehrheft, bin um 5.30 Uhr dann zur Arbeit gefahren, hatte gegen 14.30 Uhr Feierabend, wenn der Alte nicht mit irgendwelchen sinnlosen Tätigkeiten kam. Sinnlos war es z.B. nach 13 Uhr die Post fertig zu machen und in die Fächer zu legen. Die Fahrbereitschaft hatte um 14 Uhr Feierabend und haben gegen 12.30 Uhr die Post abgeholt, das heißt auch wenn ich sie noch fertig gemacht hätte, vor nächsten Tag um 07.30 Uhr wäre sie nicht abgeholt worden. Das hat der einfach nicht kapiert. Auch nicht, dass die Kollegen um 14 Uhr Feierabend haben und daher ab 13 Uhr keine Gefangenen mehr vorgeführt werden konnten. Und wenn ich den Gefangenen nicht mehr ranholen konnte, bekam ich einen Eintrag ins Dienstheft wegen Arbeitsverweigerung, denn ich war Schuld an dem Betrieb der Justizvollzugsanstalt.

Abendgymnasium 1997 bis 2003

Also hatte ich ab Anfang 1997 die Schnauze gestrichen voll. Ich hatte mich an der Peter-A-Silbermann-Schule beworben. Das ist ein Abendgymnasium für Berufstätige. Als mein Chef das mitbekam, hatte er sich gleich bei der Verwaltung gemeldet, er wollte das verhindern. Geht aber nicht, was ich in meiner Freizeit mache, geht ihn nichts an. Ich war dann auch inzwischen auf 30 Stunden runter gegangen. Arbeitszeit von 6 Uhr bis um 11 Uhr. Das hatte ihm überhaupt nicht gepasst und er hat die Schikanen intensiviert.

Ab April 1999 war ich dann Dauerkrank und ab Anfang 2000 bekam ich die Rente. Ich habe die Abendschule absolviert von August 1997 bis Juli 2003. Aus gesundheitlichen Gründen war ich 2 Semester beurlaubt. Abitur bestanden, nicht mit Auszeichnung aber mit Begeisterung.

Studium 2003 bis 2009

2003 bekam ich zunächst einen Studienplatz an der FU Berlin im Fach Chemie. 2004 wechselte ich dann zur Universität Potsdam, auch Fach Chemie. Wegen meiner Medikamente durfte ich dann nicht mehr im Labor arbeiten und bekam nahtlos einen Platz im Fach Rechtswissenschaften.

Rente 1999 bis 2023

Da ich von 1997 bis 1999 oft und lange krankgeschrieben war, schickte mich mein Arbeitgeber zum Vertrauensarzt. Dieser riet mir, einen Rentenantrag zu stellen. Die Rente wurde dann ab April 1999 bewilligt.

Dazu kam, dass meine Lebensgefährting am 15. Oktober 1999 einen tötlichen Motorrad-Unfall hatte. Davon habe ich mich bis heute nicht richtig erholt. Wenn man mit jemanden 17 Jahre zusammen gelebt hat, dann ist sowas nicht so leicht zu verkraften.

Nach dem Abitur habe ich mit einem Studium angefangen. Durch meine Erkrankung konnte ich das leider nicht abschließen.

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HP überarbeitet:

Oktober 2017